Roter Stern am Himmel und Sternenflotten-Kommandantin auf Papier

Roter Stern am Himmel … ach nee, doch nicht

Das unbekannte Flugobjekt

Letzten Samstag bin ich abends ans Fenster getreten, ohne etwas Besonderes zu wollen. Ich stand einfach so da und sah einen roten Stern hoch oben am Himmel. Er war etwa so groß wie die Venus, blinkte nicht, hatte feine Strahlen und sah am ehesten aus wie Mars. Nur eben nicht orange, sondern leuchtend rot.

So weit so gut. Erst mal tat ich nichts weiter, als ihn zu bewundern, denn er sah ausgesprochen schick aus. Während ich staunte, fragte ich mich allerdings, ob ich nicht etwas davon gehört haben müsste, dass ein so außergewöhnlicher Stern am sommerlichen Abendhimmel erscheinen würde. Bei roten Monden und so wird doch immer ein großer Aufriss gemacht.

Nach einer Minute sank der Stern ein Stückchen abwärts und blieb erneut stehen. Ganz still. So als wäre nichts gewesen.

Ja, gut, ich dachte ungefähr so etwas wie „oh,  äh, … doch kein Stern.“
Eine halbe Minute später sauste er aus dem Stand heraus seitlich über den Himmel. Dabei beschrieb er einen eleganten Bogen und verschwand lautlos hinter Bäumen und Häusern.

Sssst … würde es machen, wenn es nicht vollkommen geräuschlos wäre.
Sssst … würde es machen, wenn es nicht vollkommen geräuschlos wäre.

Ich meine, mal ehrlich … da am Himmel stehen, rot sein, so tun, als ob man ein Stern wäre! Und dann, wenn die Aufmerksamkeit sicher ist, einfach ein Stückchen absinken, aufreizend stehenbleiben und in drei Sekunden über den gesamten Abendhimmel abhauen? Ist schon ganz schön dreist, oder?

Natürlich habe ich es sehr genossen, überrascht zu werden. Es war auch schön, nichts weiter zu tun, als beeindruckt zu sein. Ja. Und natürlich verleiten unbekannte Sachen am Himmel auch zu Spekulationen. Wenn sich der Mensch etwas nicht erklären kann, dann fühlt er sich nicht mehr wohl. Also versucht er es.

Dabei stört es ihn auch kein bisschen, dass das Universum noch nicht abschließend erforscht ist und jede Menge Dinge beinhaltet, die er gar nicht kennen kann. Was das betrifft, da ist auf jeden Fall noch ganz viel Luft nach oben! Erklärung ist aber Erklärung, basta, und danach kommt Wohlfühlen. Also:

Ring frei für Interpretationen!

Mir nahestehende Personen sagten, es hätte vermutlich damit zu tun, dass ich gerade so intensiv an einer Geschichte schriebe, in der ja auch ein Flugtaxi eine prominente Rolle spiele. Damit hatten sie recht, allerdings war das Schreiben exakt an dem Tag zum Erliegen gekommen.

Als Reaktion auf’s Nicht-Schreiben habe ich mal wieder gedoodelt und gescribbelt. Die Aufgabe war diesmal übrigens Porträtzeichnen ohne den Stift abzusetzen. Heraus kam die junge Sternenflotten-Kommandantin auf dem Titelbild. Mit roten Haaren und dem Nachthimmel im Hintergrund passt sie sogar besser zu dem roten Stern als die Flugtaxi-Geschichte.

Okay, was war noch?

Es war der Tag, bevor Deutschland gegen Mexiko gespielt hat. Ich zähle mal auf, was das zusammen ergibt:

  • Wochenende
  • Fußballweltmeisterschaft …
  • … und es war die ganze Nacht hindurch sommerlich warm.

Die Berliner saßen mit ihren Getränken in den Parks und auf den Balkonen. Das ist zumindest theoretisch eine gute Ausgangsposition, um in den Himmel zu schauen. So wie ich sie einschätze, waren sie mit ihrer Aufmerksamkeit aber überall anders als am Himmel! – Und was, wenn so rote Sternlichter in Wahrheit scheu sind?

Eine perfekte Nacht, um ungesehen am Himmel herumzuhängen, ab und zu hin und her zu sausen und mal ein bisschen zu gucken, was auf der Erde so geht.

Ach, schon schade, dass er weg ist, was auch immer er oder es war. Wenn ich bedenke, wieviele Jahre ich keinen roten Stern gesichtet habe, dann werde ich in diesem Leben wohl auch keinen mehr sehen. Aber immerhin, einer war’s ja! Das kommt jetzt auf die Bucket List für nicht beeinflussbare Dinge. Ja, ja, ich weiß, für Bucket Lists muss man aktiv werden. Absichtslosigkeit passt nicht dazu. Egal, kommt trotzdem drauf.

Mal was anderes, gerade habe ich den Desktop aufgeräumt und bin dabei auf meine ersten und vorläufig letzten Gehversuche mit einem Animationsprogramm gestoßen. Hier ist eines der gebouncten Produkte. Es wird sicherlich noch einige hundert Jahre brauchen, bis ich das drauf habe. Wobei, was sind schon ein paar hundert Jahre in einem Universum, das seit mindestens 13 Milliarden Jahren existiert? Wie auch immer, schön war’s allemal.

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